Meine prioritäten

Das Warum: Eine neue Landschaft in der Europäischen Region der WHO 

Die Gesundheit in den europäischen Ländern der WHO verbessert sich zwar generell, doch ist das Versprechen, niemanden zurückzulassen, aufgrund einer Reihe von universalen Tendenzen in Gefahr, u.a.:

  • Deutlicher Anstieg von psychischen Erkrankungen und nicht-übertragbaren Krankheiten;
  • Ausbrüche und andere Bedrohungen der Sicherheit mit erheblichen Kosten für die Volkswirtschaften;
  • Resistenz gegen antimikrobielle Mittel;
  • Klimawandel;
  • soziale und politische Normen, die seit Jahrzehnten anerkannt sind, werden in Frage gestellt;
  • weltweit unsichere Wirtschaftsaussichten wirken sich auf die öffentlichen Haushalte aus;
  • steigende Ausgaben im Gesundheitswesen und ausufernde Arzneimittelkosten;
  • wachsende Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger;
  • Mangel und Mobilität der Fachkräfte im Gesundheitswesen, Überalterung der Bevölkerung und demografischer Wandel;
  • zunehmende Migration;
  • wachsende Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Ländern.

Unter den veränderten Rahmenbedingungen ist die Solidarität ein besonders kostbares und schützenswertes Gut. Ein innovatives Regionalbüro kann schnelle Entwicklungen wie die digitale Revolution in Chancen für eine bessere Gesundheit und Gerechtigkeit verwandeln. Nur wenn wir zusammenarbeiten und voneinander lernen, können wir das Menschenrecht auf Gesundheit durchsetzen und dadurch zu gerechten, sicheren und stabilen Gesellschaften beitragen.

Das Was: Vier Prioritäten für das Gesundheitswesen in der europäischen Region der WHO

In meinen beinahe 25 Jahren als Arzt und politischer Berater, der in einigen der schwierigsten Situationen und Regionen der Welt mit Patienten, Regierungsministern, nationalen Verwaltungen, Gemeinden, Fachkräften, der Zivilgesellschaft und anderen Partnern zusammengearbeitet hat, habe ich meine Stärke als ein guter Zuhörer sowie als ein Mensch des Handelns bewiesen. Ich habe multikulturelle Teams geleitet und motiviert, die sich den realen Problemen gewidmet haben, die Menschen betreffen. Seitdem ich vor zehn Jahren zum WHO-Regionalbüro für Europa gewechselt bin, habe ich tiefe Einblicke in die Herausforderungen, die wir gemeinsam meistern müssen, gewonnen. Ich bin davon überzeugt, dass meine Vorgeschichte zeigt, dass ich in der Lage war, die Mitgliedstaaten mit messbaren Ergebnissen sachdienlich und pragmatisch zu unterstützen.

Ich werde weiterhin auf den Dialog mit den Gesundheitsministern und Interessengruppen setzen, um zu gewährleisten, dass sich die regionalen Prioritäten an den Bedürfnissen der Länder orientieren und evidenzbasiert sind.

Gemeinsam können wir:

1. Die Haupttriebkräfte für die Krankheitslast angehen

Die Mitgliedstaaten sind nicht nur mit einer komplexen Krankheitslast mit steigenden nicht-übertragbaren Krankheiten und mentalen Erkrankungen, sondern auch mit Antibiotikaresistenzen und (wieder) auftretenden Infektionskrankheiten konfrontiert, die die Sicherheit und die Gesundheit der Bevölkerung gefährden können. Zur Bewältigung dieser Belastung bedarf es eines stabilen Gleichgewichts zwischen Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention und Heilbehandlung. Wenn diese Bedrohungen auch globaler Natur sind, so trete ich doch für Lösungen ein, die die Bedürfnisse und den Kontext der einzelnen Mitgliedstaaten und Subregionen berücksichtigen.

2. Die Determinanten von Gesundheit berücksichtigen

In der heutigen Welt ist der Unterschied zwischen guter und schlechter Gesundheit vorwiegend auf Faktoren außerhalb des Gesundheitswesens zurückzuführen, wie Bildung, Vereinsamung, Einkommens- und Erwerbsstatus, Sozialleistungen, Wohn- und Umgebungsbedingungen einschließlich der Einflüsse des Klimawandels. Wenn ich gewählt werde, wird eine meiner Hauptaufgaben darin bestehen, die Gesundheitsminister dabei zu unterstützen, Regierungschefs und andere Regierungssektoren darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig Investitionen in die Gesundheit und das Wohlergehen für sichere, stabile und gerechte Gesellschaften sind. Auf meinen Erfahrungen der vergangenen Jahre aufbauend werde ich weiter überzeugende ökonomische Argumente sammeln und die Gesundheitsminister dabei unterstützen, diese den Finanzministern und den Regierungen effektiv zu vermitteln.  

3. Das öffentliche Gesundheitswesen und die Gesundheitssysteme so umgestalten, dass sie die Menschen in den Vordergrund stellen

Ich habe aus erster Hand gesehen, welchen Unterschied gut koordinierte, am Menschen orientierte Gesundheitssysteme für die Verbesserung von Gesundheit und Wohlergehen machen. Ich habe mich immer für das Konzept der Integration von öffentlichen Gesundheitsdiensten, primärer Gesundheitsversorgung, sozialer Fürsorge und Fachdienstleistungen eingesetzt, die Millionen von Menschenleben retten, Familien vor Armut durch Krankheit schützen und die Gesundheitssicherheit erhöhen kann.

Wissensaustausch muss auf der Grundlage von evidenzbasierten Modellen einer verantwortungsbewussten Führung und Steuerung, Gesundheitskompetenz und „Empowerment“ von Patienten und Gesundheitspersonal, qualifiziertem und motiviertem Gesundheitspersonal, ausgewogenen Finanzierungsmodellen und dem Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln sowie der Nutzung des Potenzials digitaler Technologien und datengesteuerter Innovationen wie Big Data und künstliche Intelligenz stattfinden.

Gestützt auf die jüngsten Erfolge, für die ich mich eingesetzt habe, wie beispielsweise die Reaktion des Gesundheitssystems auf nichtübertragbare Krankheiten und multiresistente Tuberkulose, wird das Regionalbüro die interprogrammatische Arbeit sowohl auf Länderebene also auch auf der Ebene der Europaregion der WHO vertiefen.

Doch noch zu oft erreichen wir nicht, was möglich ist, weil das Verständnis dazu fehlt, wie die Transformation in bestimmten Kontexten erfolgreich umgesetzt werden kann. Für eine Umgestaltung komplexer Gesundheitssysteme muss dem Aufbau von Beziehungen und der Anreizstruktur, die die maßgeblichen Partner zusammenführen, Aufmerksamkeit eingeräumt werden.

Ein solcher Wandel wird die gesundheitlichen Ergebnisse, die Zufriedenheit von Patienten und Anbietern und die finanzielle Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme verbessern.

4. Alle Bevölkerungsgruppen schützen

Gesundheit ist ein Menschenrecht für jeden, ungeachtet seines Alters, Geschlechts, sexueller Orientierung, ethnischer Zugehörigkeit, seines Herkunftslands oder seiner finanziellen Möglichkeiten. Diese rechtsbasierte Ansicht einer guten Gesundheit erfordert einen das ganze Leben einbeziehenden Ansatz unter besonderer Berücksichtigung der vulnerablen Gruppen in jedem Land. Dazu gehören unter anderem Mütter und Kinder, ältere Menschen, Arbeitslose, HIV-infizierte Menschen, Migranten und andere, deren Gesundheit und Wohlergehen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Kein Mensch sollte unter Stigmatisierung oder Diskriminierung leiden müssen.

Das Wie: 6 strategische Richtungen für die Zukunft

Das Regionalbüro hat eine zentrale Aufgabe:
die Mitgliedstaaten anzuregen und zu unterstützen, die Gesundheit ihrer Bevölkerungen in allen Altersstufen zu verbessern.

Die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDG) sprechen explizit die zahlreichen, interagierenden Gesundheitsdeterminanten an, die die Ansicht rechtfertigen, dass die Gesundheit in jedem wichtigen Bereich der Regierungspolitik berücksichtigt werden sollte. Wenn ich gewählt werde, werde ich sicherstellen, dass das Regionalbüro mit und für die Mitgliedstaaten und anderen Interessengruppen eine laufende fachliche Unterstützung sowie pragmatische Anleitungen und Instrumente entwickelt, um alle gesundheitsbezogenen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Diese werden dem jeweiligen nationalen Kontext mit Schwerpunkt auf eine integrierende, sektorenübergreifende, und zielorientierte Arbeit angepasst. Das 13. Allgemeine Arbeitsprogramm (2019-2023) der Weltgesundheitsorganisation, in dessen Mittelpunkt die flächendeckende „universal health coverage“ steht, bietet dafür den operativen Rahmen. Ich werde den „One-WHO-Ansatz” unterstützen, der die globalen, regionalen und Länderebenen der Organisation miteinander verknüpft, und werde ihn mit der laufenden Reform der Vereinten Nationen (UN) zugunsten der Mitgliedstaaten auf eine Linie bringen. Ich fühle mich verpflichtet, auf den guten Ergebnissen aufzubauen, die das Regionalbüro in den vergangenen Jahrzehnten erzielt hat.

Wenn ich gewählt werde, werde ich die Arbeit des Regionalbüros in sechs strategische Richtungen führen:

1. Einen Fahrplan für eine künftige bessere Gesundheit der Region festlegen

Das Regionalbüro wird die Fähigkeit der Länder stärken, neue Chancen zu nutzen und künftige Trends und Bedrohungen rechtzeitig zu erkennen und zu bewältigen durch:

  • Früherkennung (bzw. „Horizon Scanning“) zur Identifizierung entstehender Herausforderungen durch die Zusammenarbeit mit Mitgliedstaaten, Sachverständigen und internationalen Partnern.
  • Entwicklung praktischer Werkzeuge und -Instrumente für die Arbeit mit den Ländern, die an die WHO-Initiative ‚European Health Systems Foresight‘ anknüpfen.

Zu den dringlichen Problemen gehören: Wie lassen sich erhöhte Gesundheitsausgaben in Einklang bringen mit stagnierendem Wirtschaftswachstum? Wie können Krankheitsprävention und Maßnahmen zu Gesundheitsdeterminanten in den Mittelpunkt gestellt werden? Und: Wie lassen sich die Bürgerinnen und Bürger sinnvoller mit einbeziehen?

2. Die Gesundheitssicherheit angesichts von Notlagen und anderen Gesundheitsbedrohungen gewährleisten

Als Teil des Programms der WHO für gesundheitliche Notlagen wird ein gestärktes Regionalbüro den Ländern helfen durch:

  • Stärkung der nationalen Leistungsfähigkeit zur Prävention, Einsatzbereitschaft, Abwehr und Bewältigung mithilfe eines Allrisiko-, Allgesundheits- und sektorenübergreifenden Ansatzes im Einklang mit dem Kapazitätsbedarf der Internationalen Gesundheitsvorschriften;
  • Aufrechterhaltung der einzigartigen Rolle der Europäischen Region der WHO bei der weltweiten Unterstützung von Gesundheitsnotlagen;
  • Sicherstellung eines Notfallfonds, der schnell Ressourcen für Länder freigeben kann, wenn diese gebraucht werden;
  • Funktion als Vermittler, um nationales und regionales Know-how in der gesamten Region für die betroffenen Länder zu optimieren und zu mobilisieren;
  • Aufbau einer gut besetzten, rund um die Uhr erreichbaren, mit dem Strategischen Gesundheitsoperationszentrum (SHOC) der WHO in Genf verbundenen, regionalen Kommandozentrale, die die Länder bei der Früherkennung zur Verhütung und Bewältigung von Gesundheitsgefahren unterstützt;
  • Integration der Fortschritte in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften in Notfallrisikomanagement und Kommunikation.

3. Die Gesundheitstransformationsinitiative weiterverfolgen

Das Regionalbüro wird die Mitgliedstaaten bei der Transformation ihrer Gesundheitssysteme und der Einführung der Gesundheit in alle Politikbereiche unterstützen durch:

  • Aufbau eines Netzwerks für politische Entscheidungsträger und Sachverständige zur Bereitstellung eines fortlaufenden Mentorings und Coachings für die Transformation;
  • Koordinierung einer paneuropäischen WHO „Transformational Leadership Academy“ zur Unterstützung des Ausbaus effektiver und nachhaltiger Innovationen;
  • Entwicklung der Werkzeuge und Instrumente zur Durchführung der Transformation;
  • Förderung des Austausches von Wissen und Erfahrungen bei der Umsetzung auf Politikebene durch eine Drehscheibenfunktion.

4. Die Menschen befähigen und die Gesundheitskompetenz steigern

Das Regionalbüro wird die Mitgliedstaaten darin unterstützen, die nötigen Bedingungen dafür zu schaffen, dass Menschen ein gesundes Leben führen können durch:

  • Unterstützung der Gesundheitsministerien und Gesundheitsfachleute; gesundheitsrelevante Botschaften an die Öffentlichkeit zu vermitteln und die digitale Gesundheitskompetenz zu erhöhen;
  • Translation der neuesten Erkenntnisse in der Forschung zu sozialen Medien, Technologien und Kommunikation in praktische Leitlinien und Instrumente zur Förderung der Gesundheit;
  • Zusammenarbeit mit Partnern zur Ermittlung und Umsetzung der effektivsten Strategien, um Einzelpersonen und Bevölkerungsgruppen zu befähigen und die Gesundheitskompetenz zu verbessern;
  • Einrichtung einer interdisziplinären Einheit in der WHO, die Empfehlungen zu Strategien abgibt, die Verhaltensänderung als Schlüsselfaktor für die Gesundheit der Menschen unterstützen können.

5. Strategische Partnerschaften für eine bessere Gesundheit nutzen

Durch die Förderung gemeinsamen Handelns wird das WHO-Regionalbüro:

  • die Koordination und Kooperation mit der Europäischen Union, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der Eurasischen Wirtschaftsunion und anderen politischen Plattformen stärken;
  • weiterhin beitragen zu globalen Gesundheitsmaßnahmen, einschließlich auf dem Gebiet der nichtübertragbaren Krankheiten und der Digitalisierung;
  • neue Partnerschaften rund um spezifische Nachhaltigkeitsziele mit dem Europäischen Observatorium, anderen Organisationen der Vereinten Nationen, Berufsorganisationen im Gesundheitswesen, der Zivilgesellschaft, informellen Pflegekräften und dem privaten Sektor aufbauen – und Bestehende ausbauen;
  • die Führung übernehmen bei der Feststellung der positiven Nebeneffekte für andere Sektoren, um die gesundheitsbezogenen Nachhaltigkeitsziele voranzutreiben;
  • den Nutzen für die Länder erhöhen, die an regionalen und subregionalen Netzwerken wie der Initiative kleiner Länder, dem Netzwerk Regionen für Gesundheit, Gesunde Städte und solchen, die einen besseren Zugang zu Arzneimitteln ermöglichen sollen, teilnehmen;
  • die Anerkennung für den Erfolg teilen und sich für Versäumnisse verantwortlich zeigen.

6. Das Regionalbüro zu mehr Exzellenz führen

Veränderung beginnt zu Hause. Wenn ich gewählt werde, werde ich das Regionalbüro - sowohl proaktiv als auch reaktiv - zu einer agilen, länderfokussierten Organisation machen, die stets in der Lage ist, zuverlässige Fachkenntnis zu bieten, die relevant für alle Mitgliedstaaten ist. Ein großartiges Regionalbüro:

  • respektiert die Grundsätze der Transparenz und Rechenschaftspflicht, wenn es seinen Vorständen und Geldgebern Bericht erstattet;
  • gewährleistet einen innovativen, ergebnisorientierten Ansatz bei der Länderarbeit;
  • unterstützt ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern und gewährleistet eine Personalvertretung aus der ganzen Region;
  • nutzt seine personellen und finanziellen Ressourcen optimal;
  • führt schlankere, kostengünstigere Verwaltungsverfahren und -methoden ein;
  • sorgt für eine hervorragende Kommunikation und verfolgt die digitale Transformation; und
  • gewährleistet ein respektvolles Arbeitsumfeld mit einem gesunden und ausgewogenen Verhältnis von Arbeits- und Privatleben und Null-Toleranz bei Belästigungen.